Ergebnisse der geobotanischen Untersuchung und
ein Versuch deren Interpretation
Aus dem Diagramm "Geobotanische Ergebnisse ist eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit zu ersehen: die starke submediterrane Tendenz (29 %) , gefolgt von eurasiatischen (14 %) und eurasiatisch-subozeanen Arten (13%).
Lediglich zwei Pflanzenarten aus dem Westen waren zu vermerken - jeweils einzelne Exemplare - verwilderter Pflanzen aus Gärten: Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) (atlantisch/westmediterran) und Schlaf-Mohn (Papaver somniferum) (westmediterran)!
Das Fehlen von atlantischen, westmediterranen und westsubmediterranen Pflanzenarten ist umso verwunderlicher, als im untersuchten Gebiet allgemein Westwetterlage herrscht. Dies läßt darauf schließen, daß sich die Pflanzen dieses Standortes durch Verschleppung mittels Waggonladungen (z.B. Getreideimporte) und durch den Fahrtwind der Züge ausbreiten. Die Lebensbedingungen der Bahnanlagen, im speziellen der Bahnhöfe, entsprechen stark denen der südlichen und südöstlichen Arten. Dazu kommt noch die Tatsache, daß für Neuankömmlinge genügend Platz vorhanden ist, denn der Mensch sorgt hier durch intensive Vernichtungsaktionen für ein (unnatürliches) Platzangebot: offene Böden. So können die Samen dieser Arten Fuß fassen und keimen, jene der vielleicht durch den Wind gekommenen Westarten scheinbar nicht.
Wieviele Arten nach einiger Zeit durch unsere doch kälteren Winter wieder verschwinden, ist aus der vorliegenden Untersuchung nicht ersichtlich. In diesem Zusammenhang wären periodische Florenaufnahmen interessant, um die Dynamik des "Kommen-und-Gehens" von einreisenden Arten verfolgen zu können.
Eine interessante Art ist in diesem Zusammenhang der Große Bocksbart (Tragopogon dubius). Diese submediterran-gemäßigtkontinentale Pflanze war auf dem Gelände des Welser Bahnhofes relativ häufig anzutreffen. Sie ist mir auch kürzlich bei einer Bahnreise nach Wien auf vielen Bahnhöfen ostwärts aufgefallen. Ich vermißte sie jedoch auf den Bahnhöfen Neumarkt/Kallham, Andorf, Riedau und Schärding. Entweder ist es Zufall oder der Große Bocksbart hat hier seine momentan westlichste Ausbreitungsgrenze auf dieser Linie.
Ähnliches gilt für den Natternkopf (Echium vulgare). So fand ich den Natternkopf in Wels, nicht aber in Schärding oder Neumarkt-Kallham.
(Ausnahme: einige wenige Exemplare in Andorf am Fuß des Bahndammes bei km 50/6).
Dieser Feststellung nachgehend, entdeckte ich einzelne Exemplare in Bad Schallerbach und viele Exemplare auf ruderalen Standorten rund um die Stadt Wels. Neben den Straßen hört er dann nach Pichl bei Wels in Richtung Grieskirchen wieder auf. In Linz und weiter östlich ist er auch auf ruderalen Flächen häufig zu finden. Es wäre interessant, zu beobachten, ob und wie sich diese Arten in den nächsten Jahren entlang dieser Strecke ausbreiten. Vielleicht stellen die zum Teil starken Fröste des Pramtales (durch Inversionswetterlage) eine unüberwindbare Hürde für den Großen Bocksbart und den Natternkopf dar (bzw. auch für anderen Arten mit ähnlichen klimatischen Bedürfnissen)?

Niederstes Tagesmittel - Neumarkt i.H.: - 27,8°C (1981 bis 1990)
Niederstes Tagesmittel - Wels: - 20,6°C (1981 bis 1990)
(Daten freundlicherweise mitgeteilt vom Land OÖ.)
"Die Ausbreitung entlang der Bahnlinien, die sog. "ferroviatische Migration", erfolgt in der Regel in kältere und klimatisch ungünstigere Gebiete, nicht umgekehrt. Eisenbahnlinien vernetzen Bahnhöfe bzw. deren Flora, nicht mehr, aber auch nicht weniger........Je weiter man nach Süden geht, desto geringer werden die Unterschiede zwischen der Flora von Eisenbahntrassen und derjenigen von Straßen. In Nordafrika gibt es nach unserer bisherigen Erfahrung keine spezifische "Eisenbahnvegetation" mehr."
(BRANDES, D. & OPPERMANN, F. 1995: 103)