Vorwort des Autors

 

Michael Hohla

  Was veranlaßt einen Menschen, etliche Tage auf Bahndämmen zu verbringen und dort nach Pflanzen, seien sie auch noch so klein, zu suchen? 

Es ist zum einen gewiß das grundsätzliche Interesse für die Botanik, doch sicherlich auch die Fähigkeit, sich über die kleinen, oft unscheinbaren Dinge des Lebens zu freuen bzw. sie überhaupt erst zu entdecken. Kleine Farbtupfer in der "Zivilisationssteppe" sind das "Salz in der Suppe" wie zum Beispiel eine Königskerze, die sich mit steter Kraft durch eine Asphaltdecke stemmt oder eine Mauerraute, die aus der Ritze einer Hausmauer ragt. Durch Menschenhand geschaffene, oft sehr unwirtliche Bereiche werden von unseren Pflanzen als Lebensraum entdeckt, so auch die Bahndämme. Trotz Schotteruntergrund, Trockenheit, extremer Hitze, Staub und Mangel an Nährstoffen.........und auch trotz dem Einsatz von Giften gibt es "Spezialisten", die all dem trotzen.  

Bei meinen täglichen Zugfahrten versetzte mich die Farbenpracht und die Vielfalt der Vegetation in Erstaunen. Von Mai bis September gibt es dort Farben und Formen, die an botanische Gärten oder an Urlaube im Süden erinnern. Es sind dies oft Arten, die man abseits der Bahnanlagen bei uns wohl kaum oder nur selten finden kann. Meine Vermutung, es handle sich um ausländische "Gäste", die sich dort, in diesem Mikroklima behaupten (oder gar "wohlfühlen") können, machte mich neugierig - neugierig zu wissen, ob "auch Pflanzen mit der Bahn reisen". 

Das Umfeld, indem ich hier untersucht habe, erscheint vielen vielleicht ökologisch gesehen nicht so wertvoll und schutzwürdig, wie die "klassischen", natürlichen Lebensräume, aber Plätze wie diese erfüllen wichtige Aufgaben, die man nicht unterschätzen sollte. So sind sie unter anderem Refugien für seltene Arten, die außerhalb der Bahngelände bereits verschwunden sind und auch Landeplätze für einwandernde Arten, die unsere gefährdete Florenvielfalt bereichern. Die ambivalente Atmosphäre der Bahnhöfe, einerseits menschengemachte Technik, andererseits Natur, bietet außerdem Möglichkeiten, ebendiese Randbereiche zu studieren. Hier verzahnen sich oft unbemerkt Technik und Natur, zu einer eigenen Form von Gemeinschaft. Ich möchte mit meiner Arbeit daher auch zeigen, daß Natur sogar an solchen Plätzen "stattfindet". 

 

Michael Hohla, Jänner 1998

 

PS.: Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um Auszüge aus meiner Hausarbeit "Flora der Bahnanlagen im Bereich Schärding bis Wels mit didaktischer Aufbereitung" an der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz in den Fächern "Biologie und Umweltkunde" bei Prof. HR Mag. Dr. Wilfried Dunzendorfer. und "Unterrichtswissenschaft" bei Prof. Dr. Wolfgang Neuper. Gebundene Duplikate dieser Hausarbeit liegen außerdem noch im Biologiezentrum Linz/Dornach (OÖ. Landesmuseum) und in der Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich auf.

Die Inhalte der Arbeit wurden ausführlich in den "Beiträgen zur Naturkunde Oberösterreichs", 1998, Band 6 (Hohla M., Kleesadl G. & H. Melzer), Biologiezentrum Linz/Dornach (OÖ. Landesmuseum) sowie in gekürzter Form im "ÖkoL", 2/1998, der Zeitschrift der Naturkundlichen Station Linz, veröffentlicht.

Zusätzlich wurde 1998 ein Dia-Vortrag im Biologiezentrum Linz/Dornach (O.Ö. Landesmuseum) gehalten.

Am 6. März 1999 wird zum selben Thema ein Vortrag für die Zoologische Gesellschaft in Braunau gestaltet (20.00, Gasthaus Stieglbräu Rossmann, Stadtteil Laab, Verladestraße 13, Nähe ÖAMTC). 

Vorwort des Themenstellers

 Zurück zur Übersicht